Podcasts, Vlogs und Blogs
Diese kurze Übersicht an aus meiner Warte empfehlenswerten Podcasts und Vlogs wollte ich schon länger einmal machen, habe aber nie die Zeit dafür gefunden. Also nutze ich mal zwei Stündchen an diesem schönen Sonntag und schreibe sie endlich auf.
Wer mich kennt, weiß: Ich bin ein ziemlicher News-Junkie. Ich lese extrem viele Nachrichten und das Ganze querbeet übers politische Spektrum: ZEIT, Spiegel, Welt, taz, Guardian, Economist, WiWo, Handelsblatt, New York Times plus weitere diverse internationale Medien (manchmal sogar GlobalTimes um die chinesische Hardliner-Perspektive “zu verstehen”). Der woke und linksgrüne Bias des ÖRR, vor allem in ARD, ZDF, und SWR nervt mich zunehmend, aber bestimmte Formate (Tagesschau, Heute Journal, Frontal, Monitor, WISO, etc) sehe ich trotzdem immer noch gern. Ehrlich gesagt oft auch mit dem Ziel um zu verstehen, mit welchen Informationen und Argumentationsmustern dann vor allem jene (oft ältere) Menschen aus Familie und Bekanntenkreis argumentieren werden, wenn diese ihre Hauptinformationsquellen darstellen. Aber speziell für Beiträge des ÖRR braucht es zunehmend eine kritische Auseinandersetzung mit Hintergrund- und Gegenpositionen, die in den oberflächlichen, leider mit Verkürzungen oder gezielten Auslassungen produzierten Darstellungen meist untergehen oder unerwähnt bleiben (z.B. zu den Themen Energiewende, pol. Islam, Wirtschaftspolitik allgemein, Zuwanderung, etc.). Daher ergänze ich meinen eingangs genannten wöchentlichen Rundflug gezielt mit Podcasts, YouTube-Kanälen und längeren Formaten von Experten, Kommentatoren und an Tiefe interessierten Journalisten, um Zusammenhänge besser zu verstehen oder um mir bewusst andere Perspektiven zu verschaffen.
Der Anlass, das jetzt endlich einmal aufzuschreiben, ist die politische Lage. In Sachsen-Anhalt ist die AfD gerade mit großem Abstand stärkste Kraft geworden; hier in Berlin wird in einer Woche links? (Horror für mich als in der DDR Aufgewachsenen!) gewählt, und gleichzeitig diskutieren wir über seit Jahren ausbleibendes Wirtschaftswachstum, unkontrollierte Migration, ausufernde Sozialleistungen, nicht finanzierte Renten, Steuererhöhungen ohne Entlastungen für Nettosteuerzahler, ein unter Druck stehendes Gesundheitssystem, hoch verschuldete Kommunen, Verteidigung, Ukraine und Infrastruktur. Entsprechend hitziger werden auch die Gespräche in meinem Freundes- und Bekanntenkreis.
Was mir dabei immer wieder auffällt: Viele politische Diskussionen führe ich mit Personen a) auf Basis der o.g. ÖRR-Berichtserstattung und b) ohne dass diese Leute auch nur ein basalstes Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen zu haben scheinen. Vielleicht fällt mir das so besonders auf, weil ich beruflich seit nunmehr 25 Jahren Jahren eng mit Industrie, Innovation, Startups und Unternehmertum zu tun habe. Wer aber, wie nicht wenige Menschen aus meiner Bubble, nie mal einen VWL- oder BWL-Grundkurs hatte und beruflich auch kaum Berührung mit den Zwängen, Dilemmata und Zielkonflikten eines Unternehmen-Aufbauens und -Führens am freien (oder gar internationalen) Markt hatte, kann natürlich nicht automatisch wissen, wie Produktivität, investive vs. konsumptive Staatsausgaben, (Potential)Wachstum, Demografie, Staatsverschuldung oder Sozialversicherungen zusammenhängen. Wie sieht das dann erst im Rest der Bevölkerung aus? Genau deshalb empfehle ich in solch hitzigen Diskussionen immer wieder dieselben Formate zum aufschlauen, damit es bei der nächsten eine bessere Diskussionsgrundlage als nur einseitig, verhakte gibt.

Politik allgemein – meistens mit Wirtschaftsbrille

⭐⭐⭐⭐⭐ Paul Ronzheimer ist für mich einer der besten Journalisten des Landes. Sehr breites Gästespektrum, sehr gute Fragetechnik und häufig Gespräche, bei denen tatsächlich etwas Interessantes herauskommt, weil er hart nachfragt, ohne jedes Interview zum Tribunal zu machen.
⭐⭐⭐ Sehr gute Einblicke in den Maschinenraum und die Hinterzimmer der Politik. Rosenfeld und Alexander erklären weniger nur, was passiert ist, sondern auch, wer mit wem spricht, welche innerparteilichen Konflikte dahinterstehen und wie politische Entscheidungen tatsächlich zustande kommen.
⭐⭐⭐ Sehr gute, ausführliche Analysen und gerade bei juristischen und institutionellen Themen oft hervorragend erklärt. Mir persönlich in den vergangenen Jahren zunehmend zu grün-ideologisch eingefärbt und manchmal etwas pastoral im Erklärton – ich höre sie aber weiterhin regelmäßig und gerne als die Noch-Mehrheitsperspektive der den Meinungsdiskurs dominierenden “Eliten”.
⭐⭐⭐ Für mich ein schönes Kontrastprogramm zur Lage der Nation. Ich höre es vor allem wegen Daniel Stelter und besonders gerne die Momente, in denen Ulf Poschardt ihn aus der Reserve lockt; Poschardt selbst schätze ich weder wegen seiner Polemik noch seinen Analysen sondern hauptsächlich wegen seiner Rolle als Provokateur, der gewissen selbstzufriedenen und tugendsignalisierenden Milieus gerne den Spiegel vorhält. Viele Menschen scheint er zu triggern. Mich bringt er zum Lachen.
⭐⭐ Höre ich eher selektiv, aber immer wieder wegen interessanter Gäste und Themen. Dort kommen regelmäßig Positionen vor, die ich in anderen politischen Formaten weniger häufig höre – genau deshalb finde ich sie interessant.
⭐⭐⭐ Constantin Schreiber schätze ich sehr wegen seines klaren Blicks auf den nahen Osten und sein Wissen um Themen mit Bezug zum Islam.

Wirtschaft verstehen und finanzielle Bildung erlangen

Diese Formate kann ich jedem ans Herz legen, der anfangen möchte, a) mehr von Wirtschaft zu verstehen und b) sich durch finanzielle (Eigen)Bildung unabhängiger von den kommenden Verwerfungen im Sozial- und Rentensystem zu machen. Hier zuzuhören hilft auch zu verstehen, dass in der aktuellen Situation links-grün, utopische Rezepte weiter in den Niedergang führen und warum von der AfD auch nichts zu erwarten ist.
⭐⭐⭐⭐⭐ Daniel Stelter erklärt seit Jahren wie kaum jemand sonst wirtschaftliche Zusammenhänge, die in öffentlichen Debatten gerne verkürzt oder komplett ausgeblendet werden. Demografie, Staatsverschuldung, Produktivität, Vermögensbildung, Energie, Wettbewerbsfähigkeit und Sozialstaat werden bei ihm nicht isoliert, sondern im Zusammenhang betrachtet.
⭐⭐⭐⭐⭐ Der offizielle Kanal von Andreas Beck. Nach seinen Auftritten suche ich immer wieder auch gezielt bei anderen YouTube- und Podcast-Formaten. Ich mag seine sehr nüchterne Art, über Kapitalmärkte, Risiken und wirtschaftliche Zusammenhänge zu sprechen, ohne jede kurzfristige Aufregung mitzumachen.
⭐⭐⭐ Höre ich selektiv und suche dort insbesondere nach Folgen mit Andreas Beck, Thomas Mayer und Gunther Schnabl. Dann geht es meistens weniger um Börsen-Hot-Takes und stärker um grundlegende wirtschaftliche Entwicklungen.
Ich bin fest überzeugt: ein Land, das Selbstständigkeit und (Klein)Unternehmertum unterdrückt und behindert lässt, wird niedergehen. Was viele immer überrascht: Aktuell tun wir aber genau das in Deutschland. Diesen Podcast und auch Cathi Bruns Medium-Blog empfehle ich daher immer meinen Angestelltenfreunden und vor allem jenen, die im öffentlichen Dienst arbeiten, der mir 2026 völlig der Realität entrückt scheint. Cathi und Marc erklären hier sehr gut wie Selbstständige und kleine Unternehmer auf Wirtschaftspolitik, Bürokratie, Steuern und Sozialabgaben schauen. Diese Perspektive fehlt mir in vielen politischen Diskussionen erstaunlich häufig und ist für die meisten Menschen in der “Angestelltenrepublik” völlig unsichtbar.

Migration, Integration und gesellschaftliche Konflikte

Ich lebe in Berlin und bewege mich in einem sozialen Umfeld, das wahrscheinlich ziemlich gut in die berühmte Berliner Bubble passt: viele eher grün, links oder linksliberal, einige wenige liberal, deutlich weniger liberal-konservativ. Bei Sozial-, Migrations- und Integrationspolitik liege ich in den vergangenen Jahren häufiger und gefühlt mit dem Großteil meiner Freunde und Bekannten in der Hauptstadt auseinander (meine persische Community mal ausgenommen).
Ich halte die Gefahr durch Rechtsextremismus selbstverständlich für real (ich bin öfter selber in den 90er “Baseballschlägerjahren” vor “Glatzen” geflüchtet als Hip-Hopper und kannte auch “Jugendclubstürmen” im Ghetto & Co. — mir muss also niemand etwas über rechts und erst recht nicht über Ossi-Sein erklären). Gleichzeitig sehe ich, dass wir gesellschaftliche Probleme wie gescheiterte Integration, ungesteuerte Migration, Islamismus (samt raffinierter Unterwanderung in politischen Vorfeldorganisationen/NGOs sowie in der Politik selbst), Antisemitismus, patriarchale Milieus oder die Belastbarkeit unseres Sozialstaats genauso schonungslos und offen diskutieren müssen. Mich stört dabei zunehmend die schnelle moralische Einordnung bestimmter Positionen und die Tendenz, konservative, warnende oder restriktivere Auffassungen vorschnell als „rechts“ abzuwerten.
⭐⭐⭐⭐⭐ Einer der wenigen öffentlich-rechtlichen Podcasts, die ich bei Migration, Integration und Islamismus wirklich gerne höre. Ahmad Mansour und Oliver Mayer-Rüth sprechen für mein Empfinden deutlich direkter über Probleme, als es in vielen anderen ÖRR-Formaten üblich ist – für mich deshalb ein wohltuendes Gegenprogramm zu den vielen geframten und gebiasten Beiträgen links-grüner ÖRR-Journalisten.
⭐⭐⭐⭐⭐ Qualifizierte Beiträge des höchsten Expertenkreises (mit bewegter Geschichte) zum Thema “Politischer Islam”, der die Bundesregierung berät, aber m.E.n. noch viel zu wenig Gehör findet in politischen Entscheidungen.

Und ja, wie man oben sehen kann: Ich lese/höre Springer! 😱

Menschen aus der kognitiv-dissonanten Berliner Bubble, die mir grundsätzlich den Konsum von “rechten” Springer-Outlets oder Journalisten vorhalten, nehme inzwischen nicht mehr ernst. Ich lasse mich da auch auf gar keine Diskussion mehr ein. Deren Quellen-Canceling, selektive Wahrnehmung und das Ausblenden bestimmter Realitäten (linker Antisemitismus, erstärkender Islamismus, Irrwege in der Energiewende, etc.) empfinde ich mittlerweile nicht mehr nur als lächerlich, sondern als gefährlich verblendet. Ich sage denen nur noch: Obgleich unfreiwillig, aber auch ihr habt die AfD mit groß gemacht. Und ihr schüttet weiter Benzin ins Feuer mit Eurer Hysterie und der Verschiebung des Spektrums, dessen, was rechts sein soll.
 

Das soll es also gewesen sein. Der Hörtipps-Artikel zum Sonntag. Ich würde mich freuen, wenn das eine oder andere Format Euch auch so gut informiert und Euch neue Perspektiven bringt, wie es das jede Woche für mich tut.
Damit es nicht nur politisch bleibt hier, folgt meine Liste mit Fachpodcasts als nächstes in einem eigenen Artikel. Da geht’s dann wieder um Produktentwicklung, Innovation, Technologie, Organisationssoziologie und Organisationsdesign. Happy Weekend everyone!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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